Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies, und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.

Suche

Wir und die Russen

Wir und die Russen

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau im Herbst 89 | Egon Krenz

E-Book (EPUB)
2019 edition ost
304 Seiten
ISBN: 978-3-360-51045-7

(0 Rezensionen) - Rezension verfassen


€ 12,99

in den Warenkorb
  • EPUB sofort downloaden
    Downloads sind nur in Österreich möglich!
  • Versandkostenfrei (Inland)
  • Als Flexibler Einband erhältlich
Kurztext / Annotation
Als Russland noch Sowjetunion hieß: Egon Krenz über das schwierige Verhältnis zweier Staaten
Lange bevor Gorbatschow von den Zuspätkommenden sprach, die das Leben strafen würde, zeigten sich Risse zwischen sowjetischer und DDR-Führung. Was lief angesichts der 89er Ereignisse hinter den Kulissen zwischen Berlin, Bonn und Moskau? Die DDR war zwar ein souveräner Staat, hier standen aber eine halbe Million Sowjetsoldaten. Sie griffen nicht ein. Warum? Die DDR-Führung hatte sie gebeten: Bleibt in den Kasernen! Erstmals berichtet das damalige DDR-Staatsoberhaupt, Egon Krenz, über die Absprachen mit Moskau. Zum 30. Jahrestag des Ereignisses rekonstruiert Egon Krenz in dem Sachbuch 'Wir und die Russen' die vielfältigen Vorgänge, die damals zwischen den politischen Akteuren abliefen, korrigiert Legenden und belegt mit Fakten, wie es dazu kam, dass aus dem Kalten Krieg am Ende nicht noch ein heißer Krieg wurde. Der Mauerfall, der nunmehr 30 Jahre zurückliegt, leitete das Ende des Ostblocks ein. Aber die Grenzöffnung, die Egon Krenz mit verantwortete, hatte eine lange Vorgeschichte. Zu der gehört das spannungsreiche Verhältnis zwischen Erich Honecker und Michail Gorbatschow. Krenz, Zeuge von Begegnungen und Gesprächen dieser beiden Politiker, des Deutschen und des Russen, berichtet exklusiv von Vorgängen und Ereignissen, die noch nie publiziert wurden und von denen es nur seine persönlichen Aufzeichnungen gibt.

Egon Krenz, geboren 1937, Schlosserlehre und Lehrerausbildung. Nach Besuch der Parteihochschule in Moskau von 1964 bis 1967 wurde er Vorsitzender der Pionierorganisation in der DDR und war von 1974 bis 1983 FDJ-Chef. Im Herbst 1989 wurde er in der Nachfolge Erich Honeckers Generalsekretär des ZK der SED und Staatsratsvorsitzender. Heute lebt er in Dierhagen.

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet


Zu diesem Buch und zum Titel

Ein knappes Jahr vor der Gründung der DDR, am 19. November 1948, erschien in der Zeitung Neues Deutschland ein aufsehenerregender Artikel unter der Überschrift "Über 'die Russen' und 'über uns'". Sein Autor: Chefredakteur der Zeitung Rudolf Herrnstadt. Der Mann kam zwar einige Jahre später mit seiner Partei, der SED, und seine Partei mit ihm in Konflikt, worauf ich hier nicht eingehen will. Aber das, was er schrieb, war in der Nachkriegssituation und der weit verbreiteten antirussischen Stimmung in Ost- wie in Westdeutschland geradezu sensationell.

Er äußerte sich nicht als Privatmann. Herrnstadt hatte niedergeschrieben, was in der obersten Etage der SED gedacht wurde.

"Es gibt [...] keine Überwindung der gegenwärtigen materiellen und ideologischen Schwierigkeiten", schrieb er, "ohne richtige Einschätzung der Rolle der Sowjetunion, ohne rückhaltloses Bekenntnis zur Sowjetunion, ohne uneingeschränkte Unterstützung der Sowjetunion [...], ohne ein richtiges Verhältnis [...] zur Sowjetunion [gibt es] keine gesicherte Zukunft des deutschen Volkes".

Manches in diesem Artikel ist inzwischen obsolet, die Ausdrucksweise seiner Zeit gemäß und die Argumentation für nachfolgende Generationen nicht immer plausibel. Doch der Grundgedanke dürfte auch in der Gegenwart unvermindert gelten: Ohne ein aufrichtiges Verhältnis der Deutschen zu den Russen "gibt es keine gesicherte Zukunft des deutschen Volkes".

Dieser Leitgedanke gehörte vierzig Jahre zur Staatsdoktrin der DDR. Das war gut so. Das sicherte nicht nur unserem Land den Frieden, sondern auch Europa. Als Russlands Präsident Jelzin und seine Satrapen die Sowjetunion aus der Weltgeschichte abmeldeten, änderte sich das. Ohne Sowjetunion wurden Kriege wieder führbar, wie etwa der gegen Jugoslawien. Auch mit deutscher Beteiligung!

Als die Sowjetarmee 1945 mit ihren Partnern in der Antihitlerkoalition Deutschland vom Faschismus befreite, war ich acht Jahre alt. In Erinnerung geblieben ist mir, dass die sowjetische Besatzungsmacht ein riesiges Plakat mit dem Bildnis Stalins kleben ließ, auf dem geschrieben stand: "Die Hitler kommen und gehen, das deutsche Volk, der deutsche Staat bleiben."

Diese bemerkenswerten Worte wurden später nicht falsch, weil sie von Stalin stammten. Wer sie zitiert, muss nicht unbedingt Stalinist sein. Für mich sind es tiefgehende Äußerungen über das am Boden liegende Deutschland. Gedanken eines Siegers über ein Deutschland am Ende des fürchterlichsten Krieges aller Kriege, der seiner Heimat durch deutsche Schuld 27 Millionen Tote und verbrannte Erde hinterließ.

Mir sagen diese wenigen Worte, dass es der Sowjetunion nie um Rache, nicht um die Zerstückelung Deutschlands, nicht um die Unterjochung ging, sondern um ein einheitliches Deutschland ohne Nazis und als Friedensstaat im Zentrum Europas. Ja, es gab in all den Jahren Querelen, über die ich in diesem Buch berichte, aber für die Geschichte wird bleiben: Die DDR-Deutschen und die Russen, die Belorussen, die Ukrainer, die Balten, die Kasachen und die anderen über hundert Nationen des Vielvölkerstaates Sowjetunion hatten ein neues Verhältnis zueinander gefunden, das frei war von Hass und Zwietracht. Ich erinnere mich, mit welcher Leidenschaft wir als Kinder sangen: "Tausende Panzer zerwühlten das Land, / hinter sich Tod und Verderben, / Weiten sowjetischer Erde verbrannt, / Städte in Trümmer und Scherben. / Doch allen Hass, alle Not überwand / siegreich die Sowjetunion. Brüderlich reicht sie die helfende Hand / auch unserer deutschen Nation."

Bei allem, was ich in meinem späteren politischen Leben auch an Auseinandersetzungen zwischen den Führungen der UdSSR und der DDR erlebt habe: Nichts kann mir diese grundlegende Überzeugung nehmen - kein Berija, kein Chruschtschow, kein Gorbatschow, kein Jelzin. Ich verwechsele nicht einzelne Politiker mit dem kollektiven Wollen der Völker der Sowjetunion. Wohl ab